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Ängste im Reitsport

Ängste im Reitsport

Ich habe Angst, weil mein Pferd ängstlich ist!?

Angst ist in unserer Gesellschaft eine sehr negativ belegte Emotion "Sei nicht so ein Angsthase!",  "Du bist ein Feigling und solltest lieber nicht mehr reiten!". Die Liste der negativen Assoziationen bei Angst ist endlos. Aber sind Ängste als solche wirklich so schrecklich? Oder ist eher das, was wir aus der Angst machen so hemmend? Ängste sind sehr individuell und haben viele Erscheinungsbilder. Auch im Reitsport gibt es eine Vielzahl an Situationen, die Reitern Angst machen können. Angst vor dem Galopp, nach einem Sturz oder Angst vor bestimmten Situationen in der Halle oder dem Gelände. Doch auch die Prüfungsangst bei Turnieren macht einigen Reitern zu schaffen.

Angst aus Sicht des Pferdes

Angst ist aus Sicht des Pferdes etwas sehr wertvolles. Es ist eine Emotion, die Leben rettet. Ein Pferd als Beute‐ und Fluchttier ist darauf angewiesen frühzeitig eine Gefahr wahrzunehmen. Dies geschieht durch die Angst. Das Pferd nimmt die Angst als Information wahr, reagiert entsprechend und bringt sich in Sicherheit. Dort kann es die Angst dann auch wieder loslassen. Das ist der natürliche Zyklus, den Angst durchläuft. Sie steigt auf, wird wahrgenommen, liefert ihre Information, man reagiert entsprechend und die Angst hat ihren Zweck erfüllt und löst sich wieder in Luft auf.

Angst in der Pferd-Mensch-Beziehung

Pferde nehmen unsere Angst sehr früh wahr, auch wenn wir selber sie noch nicht spüren. Das Pferd als Fluchttier reagiert auf unsere Angst oftmals ängstlich und skeptisch. Es versucht dann zum Beispiel die Situation schnellstmöglich zu verlassen oder zu verändern. Denn als Flucht- und Beutetier befindet es sich in ständiger Gefahr, von einem Raubtier angegriffen, gejagt und gefressen zu werden. Die ein oder andere negative Erfahrung des Pferdes in früheren Situationen kommt noch hinzu und schon ist das Dreamteam komplett. Im Optimalfall nimmt dein Pferd dich als Leitstute wahr, welche Sicherheit vermittelt und vertrauenswürdig ist. Wenn du nun Angst bekommst (was das Pferd schon sehr früh bemerkt) denkt dein Pferd, dass die Situation nicht sicher ist und ihr lieber flüchten solltet. Pferd und Reiter schaukeln sich in der Folge gegenseitig hoch. Dein Pferd sollte dir und vor allen Dingen deinen Einschätzungen von Situation vertrauen. Und genau bei diesem Punkt entsteht oftmals das Problem.

Du hast Angst, dein Pferd nicht!

Das Problem ist häufig, dass du die Situation mit den Augen deines Pferdes betrachtest und meinst, dein Pferd könne hier Angst bekommen. "Da hinten weht die Plane im Wind. Da könnte sich mein Pferd erschrecken." Zwar ist dir bewusst, dass objektiv keine Gefahr besteht, dennoch verhältst du dich so, als ob es gefährlich und lebensbedrohlich sein könnte. Du gehst davon aus, dass dein Pferd Angst bekommt und verhältst dich dementsprechend. Du spannst dich an, Adrenalin fährt durch den Körper und du versucht dein Pferd rein prophylaktisch zu beruhigen, zum Beispiel indem die Zügel deutlich aufgenommen werden. Dabei hat das Pferd noch gar nichts gemacht und es ist auch noch gar nichts passiert. Dies ändert sich aber schlagartig. Dein Pferd ist sehr sensibel, merkt die Anspannung und riecht das Adrenalin. Dein Pferd nimmt deine Angst wahr und geht von einer Gefahrensituation aus. Es vertraut deiner Einschätzung, bekommt ebenfalls Angst und verhält sich folglich nervös, tanzt oder geht durch. So schließt sich der Teufelskreis. Du fühlst dich bestätigt und bist beim nächsten Mal noch wachsamer, weil du meinst, dass dein Pferd Angst hat. So kommt es, dass viele ängstliche Reiter ängstliche Pferde besitzen.



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Herde
Bodenarbeit zur Überwindung von Ängsten