Was ist Angst?
Angst ist notwendig!
Angst ist ein ganz normales menschliches Gefühl, genauso wie Ärger, Trauer oder Freude. Es gibt keinen Menschen, der frei von Ängsten ist. Angst rettet uns ständig das Leben, zum Beispiel wenn wir auf der Straße nach rechts und links schauen, uns im Auto anschnallen, bei einer Erkrankung zum Arzt gehen und Antibiotika schlucken, bei Sturm nicht aus dem Haus gehen oder nachts die Haustür abschließen. Somit soll uns Angst helfen, in gefährlichen Situationen schnell zu reagieren. Sie löst bei uns im Körper eine Alarmreaktion aus, die uns folglich auf Höchstleistungen vorbereitet. Sie ist die treibende Kraft, die uns zum Kampf oder zur Flucht anspornt. Der Körper wird bei Ängsten in einen Alarmzustand versetz. So steigt beispielsweise die Aufmerksamkeit, Pupillen weiten sich, die Atmung wird schneller; Muskelspannung, Energiebereitstellung und Reaktionsgeschwindigkeit werden zudem erhöht. Im Grunde ist Angst eine umfassende Stress-Reaktion, die sich auf drei Ebenen äußert: 1) körperliche Symptome 2) Angst-Gedanken 3) Verhalten.
Ebenen der Angst
Körperliche Symptome
- Herzrasen, Herzklopfen oder schneller unregelmäßiger Herzschlag
- Schweißausbrüche
- Fein- oder grobschlägiges Zittern
- Mundtrockenheit
- Atemnot, Kurzatmigkeit, Erstickungsgefühl, Enge- oder Beklemmungsgefühle im Hals oder in der Brust, Schluckbeschwerden
- Schmerzen in der Brust
- Hitzewallungen, Kälteschauern, Frösteln
- Kribbeln der Haut, Taubheitsgefühle, Kribbeln an Fingern, Mund oder Lippen
- Übelkeit oder Missempfindungen im Magenbereich (Unruhegefühl), Bauchschmerzen, Würgereiz
Psychische Symptome
- Gefühl von Schwindel, Unsicherheit, Schwäche oder Benommenheit, Gefühl in Ohnmacht zu fallen
- Gefühl, die Objekte sind unwirklich (Derealisation), oder man selbst ist weit entfernt oder nicht wirklich hier (Depersonalisierung)
- Angst vor Kontrollverlust, verrückt zu werden, auszuflippen
- Angst zu sterben, Angst vor Herzinfarkt
Angstgedanken
Neben den körperlichen Reaktionen werden auch gedankliche Prozesse in Gang gesetzt. Hierbei handelt es sich oft um wiederkehrende Denkmuster wie:
- Es wird etwas Schlimmes passieren.
- Ich falle in Ohnmacht.
- Ich ersticke.
- Mein Herz rast, ich bekomme bestimmt einen Herzinfarkt.
- Ich verliere die Kontrolle.
- Ich werde verrückt.
Zudem tritt häufig ein Gefühl der Hilflosigkeit oder des Ausgeliefertseins auf.
Verhalten
Im ursprünglichen Sinn sind darunter die Flucht- oder Kampfreaktionen zu verstehen. Erstarren, Vermeidungsverhalten oder die Flucht in Alkohol und andere Süchte gehören auch dazu.
Kurzum ist Angst also ein hilfreiches Gefühl. Sie fühlt sich zwar unangenehm an, aber sie erfüllt viele wichtige Funktionen in unserem Leben.
Wo hört normale Angst auf?
Ein bisschen Angst hat jeder. Wer im Fahrstuhl ein kribbeliges Gefühl hat, wer sich vor Spinnen ekelt oder Angst hat, eine Rede zu halten, muss deshalb noch nicht an einer behandlungsbedürftigen Angststörung leiden. Sobald Ängste jedoch die Gefühlswelt dauerhafter belasten, den Alltag beherrschen, die eigene Handlungsfähigkeit einschränken und wir anfangen Situationen zu vermeiden, ist es Zeit, ihnen auf den Grund zu gehen.
Zu einer behandlungsbedürftigen Erkrankung wird Angst, wenn
- sie zu häufig, zu lange anhaltend oder zu intensiv auftritt,
- man das Gefühl hat, die Kontrolle zu verlieren,
- sie in Situationen auftritt, die objektiv nicht gefährlich sind,
- man Angstsituationen häufig vermeidet oder aus ihnen fliehen muss,
- man einen starken Leidensdruck und eine deutliche Beeinträchtigung seiner Lebensqualität verspürt.


